Draussen auf der Strasse hängt, über einem Kleiderständer eines Ladens, ein Schild:
ZU VERSCHENKEN.
Ich betrete neugierig den Laden. Eine Couch, ein Tisch, ein paar sympathische Leute sitzen da und essen. Im Hinterzimmer: ein Laden. Aber kein normaler Laden, nein: alles kostenlos.
Unten Kleidung und Bücher, gut sortiert. Eine selbstgebaute Treppe führt in den selbstgebauten 2.Stock: oben Geschirr und allerlei Krusch.

Von Geschäftskleidung bis Kinderspielzeug, Hippewollpullis bis Feuerschale, Schal über Gieskanne bis alter mp3-player und CDs, alles da. Alles zum mitnehmen im Schenkladen „Systemfehler“ im Berlin. Ein Projekt, das sich anfangs über Fördermittel, jetzt langsam über Patenschaften finaziert. Auch ich zahle 1,50 Euro pro Monat für die Miete und was sonst so anfällt.

Ziel des Projektes ist es – über den Laden hinaus – ein Umsonst-Netzwerk aufzubauen, in dem Menschen sich gegenseitig Waren und Dienstleistungen versorgen können. Ohne Geld natürlich.
So gibt es im Umfeld des Schenkladen zB eine Obstbaumnutzungsgemeinschaft.

Bevor ich gehe kommt auch eine Essenslieferung an: Bioläden und Bäckereien in der Nachbarschaft versorgen den Laden mit Sachen, die sie sonst wegwerfen würden. Abends können Leute die kisten dort abholen. Auch ich nehme dankbar eine Nussschnecke und ein paar Äpfel mit.

Ganz anders der Umsonstladen in Beneficio, Südspanien: der vermutlich meistgenutzte Umsonstladen Europas. Ein unsortierter, ungewaschener Haufen Wäsche auf einem Tisch, der draussen vor der „Big Lodge“, dem „community tipi“ am Eingang des Ortes steht.

Beim Wühlen fällt die Hälfte auf den Boden.
Andere Standarts gewöhnt bin ich erstmal skeptisch, doch nach einigen Tagen lerne ich die Vorzüge dieses Umsonsttisches zu schätzen. Das Sortiment wechselt rasant und es lohnt sich sehr, alle paar Tage mal nachzugucken. Einige meiner Lieblingsklamotten hab ich hier mitgenommen.
Und als Leute aus unserer Gruppe einen großen Sack neuer Kleidung unterwegs in einer Mülltonne entdecken, darunter auch sehr viele fast neue Kindersachen, packen wir alles auf den Tisch und freun uns, wie schnell das Zeug wieder verschwindet, und dass Leute sich drüber freuen.

So unterschiedlich Umsonstläden in Europa aussehen mögen,
und so verstreut und teils schwer zu finden sie sind – die Suche lohnt sich immer!!