Repression/Trauma - Trauma/Burn Out

Repression/Trauma (World Cafe)

Definition

Es wurde gefordert, den Repressionsbegriff klarer zu definieren. Hierbei sollte nicht nur staatliche Repression eine Rolle spielen, sondern gesellschaftliche Repression (Bsp: Schule → Konditionierung, Folgen von Widersetzen gegen Konditionierung → Repression).

Umgang mit Repression/ Folgen

Als wichtige Grundlage für Antirepressionsarbeit wurde es wahrgenommen, sich in Erinnerung zu rufen, dass die Verantwortung für Repression stets bei den Verfolgungsorganen und nicht bei den Betroffenen (Auslöser) liege. Die beobachtete Individualisierung von Repression sei nicht geeignet, die Motivation zu (riskanten) Aktionen (Risiko – Nutzen Rechnung) zu steigern. Deshalb sei Solidarisierung auch mit Aktionen, die nicht 100% der eigenen politischen/aktionistischen Einstellung/Meinung entsprächen, wichtig. In der Diskussion zum Umgang mit Repression (in Antirepressionskampagnen) wurde das Spannungsfeld ‘Unschuldskampagnen vs. Repression als (logische) Konsequenz revolutionärer Politik’ aufgemacht.

Bei einigen herrschte die Meinung vor, (staatliche) Repression sei als Maß für gelungene Intervention zu betrachten.

Wiederzuentdecken sei Knast als Kampffeld – es gebe ein Leben im Knast. An dieser Stelle wurde auch die Aufhebung der Unterscheidung in ‘(soziale) Gefangene und politische Gefangene’ gefordert.

Trauma

Überleitend gab es die These: Repression strebe Traumatisierung an – so sei die Folge von (funktionierender) Repression (automatisch) ein Trauma.

Alle politisch aktiven Menschen, seien so (potentiell) von Repression betroffen und liefen damit auch Gefahr, psychische Verletzung zu erfahren. Deshalb sei Austausch über Gewalterfahrungen im politischen Alltag wichtig. Es sei wichtig zu lernen, Traumatisierung bei sich und anderen zu erkennen. Durch fehlende Sensibilität untereinander entstehe das Gefühl, „stark“ sein zu müssen. Hierdurch werde Vereinzelung verstärkt und häufig ein Bild von „starker Männlichkeit“ reproduziert.

In Bremen gebe es zur Zeit keine Plattform zum Austausch und zur Vernetzung zwischen Betroffenen. Allerdings gebe es (z.B. in Berlin) Out of Action – Gruppen ( outofaction.net ), wobei dieses Konzept nicht sehr weit verbreitet sei. Dies verstehe sich nicht als Dienstleistung, sondern als eine Unterstützung und die Möglichkeit, ein Konzept nachzuahmen/weiterzuentwickeln.

In der Diskussion wurde deutlich, dass eine Kritik am Traumabegriff nötig sei, wolle mensch nicht, dass die Folgen von Gewalterlebnissen psychologisiert/pathologisiert werden.
Wie sich die psychischen Folgen von Gewalt politisieren ließen stand am Ende der Diskussion als offene Frage im Raum.

Trauma/ Burnout (AG)

Der allgemeine Leistungsdruck, der gesamtgesellschaftlich spürbar sei, finde sich auch in der linken „Szene“ wieder. Dieser Druck und das Gefühl des pausenlosen Arbeitens finde in der „Szene“ keine wirkliche Thematisierung, was auch ein Grund dafür sein könne, dass die „Szene“ eher aus jüngeren Menschen bestehe, aber es dann oft an Kontinuität fehle, um langfristig politisch aktiv zu bleiben. Viele hörten auf aktiv zu sein, da sie sich überlastet fühlten und es keine Anlaufstelle gebe, wo Menschen über zu ’’viele belastende Dinge“ reden könnten. Im schlimmsten Falle komme es dann zum psychischen Zusammenbruch.

Es fehle also eine konstante und erreichbare Gruppe (in Bremen), damit mensch sich über mögliche Ängste austauschen könne. Denn es sei auch ein “szenetypisches“ Problem, dass viele Menschen sich nicht trauten über Ängste, Überforderung(en) oder allgemein schlechte Erfahrungen zu reden, da so etwas oft mit Schwäche gleichgesetzt werde und mensch somit nicht mehr als “funktionierend“ gelte. Zu bedenken sei weiterhin, dass Themen wie Trauma, Burnout und Repression politisch mehr präsent sein sollten. Auch dürfe es nicht zu einem Ausschluss oder zur Isolation kommen, wenn Menschen Probleme hätten. Konsens war, dass Repression zu Trauma und Isolation führen könne und dass dies auch ein bewusstes Mittel oder Instrument des Staates sei. Diesem müsse mensch auch präventiv begegnen mit konkreten Aktionen und Gruppen, die sich mit der Thematik befassen. Weiterhin stellte sich die Frage, wie Folgen von (staatlicher) Gewalt politisiert werden können, da es nicht nur ein Problem der betroffenen Person sei bzw. sein könne, sondern letzten Endes “alle“ beträfe.

Hinzu kam die Frage, wie eine solche Gruppe oder eine Struktur, die sich mit Trauma, Burnout und Anti-Repression beschäftigt, genau aussehen könne. Mensch solle hierbei nicht vergessen, dass gerade Menschen mit Traumata sehr sensibel behandelt werden müssten und es somit durch dieses Thema evtl. auch zu einer Überforderung kommen könne. Daher kam auch die Überlegung auf, dass eventuell ein fachlicher Background nicht schlecht sein könne. Weiterhin sei es nötig, sich im Vorfeld sehr genau mit dem Thema zu beschäftigen und sich in dieses einzuarbeiten.

Herauskristallisiert hat sich in der Diskussion, dass dem Thema präventiv gegenüber getreten werden müsse.

Folgende (Infra-) Struktur wurde für wichtig befunden:

  • ein Ort oder Anlaufpunkt
  • ein anonymes Netzwerk, mit Menschen, die sich auch von fachlicher Seite Infos holen
  • Reader, Flyer oder Broschüren zum Thema
  • Info-Abend/ Wochenende

Sollte sich eine Gruppe zu diesem Thema herausbilden, sei es auch wichtig, sich mit schon bestehenden Gruppen (u.a. mit Menschen von Out of Action) zu vernetzen. In der Diskussion wurde festgestellt, dass das Thema nicht ausschließlich ein szeneinternes sei. Es sei wichtig, auch die gesamtgesellschaftliche Dimension des Problems zur Kenntnis zu nehmen und andere möglicherweise traumatisierende Repressionsinstrumente zu thematiseren (z.B. Gefängnisse, Verdrängung aus dem sozialen Raum, systematische Sozialschikanen etc.).
Ergebnis der Diskussion soll ein weiteres Treffen oder kontinuierliches Plenum sein, um an genannten Themen zu arbeiten, Strukturen sowie Vernetzungen zu schaffen und auch Wissen über die bestehenden Problematiken zu sammeln.

Glossar:

Konditionierung: das ausbilden, „antrainieren“ bestimmter (automatisierter) Reaktionen auf Reize

pathologisieren: ein Problem aus einer psychologischen/medizinischen Sicht beschreiben, es als „krank“ ansehen